Rosberg und Schumacher stellen Silberpfeil vor

Lange gereift und häppchenweise präsentiert: Der neue Silberpfeil von Nico Rosberg und Rekordweltmeister Michael Schumacher soll endlich auch Formel-1-Feinschmecker zufriedenstellen. "Ich bin positiv angetan vom Auto, es gibt aber weder eine Überraschung in die eine noch in die andere Richtung", sagte Schumacher, der am Dienstag zum Auftakt der zweiten Testwoche in Barcelona die ersten "offiziellen" Runden mit dem neuen W03 drehte. Zuvor hatte er um 8.27 Uhr gemeinsam mit Teamkollege Nico Rosberg im Blitzlichtgewitter ein schwarzes Tuch vom neuen Mercedes-Renner gezogen.

Es war allerdings keine richtige "Jungfernfahrt". Die "Ehre, die wirklich ersten Runden zu drehen", hatte Rosberg schon am vorigen Donnerstag in Silverstone. Nach dem sogenannten Skakedown mit jeweils 50 Kilometern für beide Fahrer hatte der Silberpfeil, der wie die meisten Konkurrenten auch über eine Höckernase verfügt, am Sonntag hinter verschlossenen Türen in Barcelona bei einem richtigen Testtag 354 Kilometer abgespult. Am Montag folgte noch einmal ein Filmtag.

"Da hat sich schon ein Eindruck etabliert, der ein gewisses positives Fazit mit sich bringt", meinte
Schumacher. Zu viel Euphorie wollten der Kerpener und auch Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug aber nicht aufkommen lassen. "Wir haben gute Arbeit geleistet, die ist auch zu erkennen. Wie viel sie wert sein wird, wird sich erst auf der Strecke feststellen lassen", sagte Schumacher. "Ich glaube, wir haben ein ganz ordentliches Auto. Aber ich kann nicht garantieren, dass die Konkurrenz nicht ein viel besseres hat", sagte Haug mit Blick auf die Rivalen um Weltmeister Sebastian Vettel.

Das Ziel ist laut Haug aber klar. "Wir waren zweimal Vierter und das Ziel ist, Schritt für Schritt Richtung Platz eins zu gehen. Das geht nicht auf einmal, es ist wie beim Bergsteigen. Man braucht ein Zwischenlager, da muss man sich sicher fühlen, und von dem Zwischenlager kann man weiter nach oben klettern", sagte er: "Das geht nicht in drei Jahren. Aber das endgültige Ziel ist natürlich, ganz nach vorne zu kommen, zu gewinnen und letztlich auch Weltmeistertitel zu gewinnen."

Mercedes hatte sich als einziges der Top-Teams mehr Zeit für die Entwicklung des neuen Autos genommen und war bei den ersten Tests in Jerez noch mit dem Auslaufmodell aus dem Vorjahr gefahren. "Wir hatten das so geplant und etwa zehn
Entwicklungstage mehr. Wir sind in einem Aufholprozess und dachten, dass so unsere Zeit am besten genutzt und investiert ist", erklärte Haug.

Sollte der neue Silberpfeil die Erwartungen erfüllen, könnte auch Schumacher seinem 92. Grand-Prix-Sieg wieder ein bisschen näher kommen. "Unsere Marschroute ist, uns zu verbessern. Das würde ich gerne mit dem Auto umsetzen. Wenn wir das hinkriegen, werden wir sicher viel Spaß haben", sagte Schumacher. Seine Chefs, Haug und Teamchef Ross Brawn, trauen ihm die Rückkehr auf das Siegerpodest auf jeden Fall zu und können sich auch noch gut eine Vertragsverlängerung mit dem 43 Jahre alten Routinier über 2012 hinaus vorstellen.

"Wir sprechen derzeit nicht mit anderen Fahrern. Ich gehe auch nicht davon aus, dass er mit anderen Teams verhandelt. Wenn Michael immer noch Spaß hat und gleichzeitig die Ergebnisse bringt, die wir uns erwarten, warum nicht? Er hat jedenfalls nicht gesagt, dass er mit dem Gedanken spielt aufzuhören", sagte "Superhirn" Brawn, mit dem Schumacher alle seine sieben Titel holte. "Aufgeben wird Michael nie, und wenn er weitermachen möchte, dann werden wir uns darüber unterhalten"
, meinte Mercedes-Motorsportchef Haug.

Für Haug ist Schumacher "nach wie vor bei den Rennen einer der Besten im Feld" und habe immer noch "diesen ganz besonderen Rennwitz". Der Kerpener sei oft genauso schnell und manchmal auch schneller als sein rund 16 Jahre jüngerer Teamkollege. Das sei beeindruckend, meinte Haug, "weil Nico sicher zu den fünf besten Fahrern im Feld gehört". Der Mercedes-Motorsportchef traut Schumacher zu, "dass er noch einmal einen Leistungssprung macht, wenn wir das entsprechende Auto gebaut haben".


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